06 November 2011

Lesen macht klug und schoen 507 - Nicole Huber - Kinderfrei


Plädoyer gegen die Diskriminierung Kinderloser

Nicole Huber  - Kinderfrei
oder warum Menschen ohne Nachwuchs keine Sozialschmarotzer sind

 
Herbig
ISBN: 978-3-7766-2668-1
14,99 EUR

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Die Glorifizierung der Elternschaft und die Verteufelung der Kinderlosigkeit durch einen politisch gestützten Familienfundamentalismus – wie sonst soll ein umlagefinanziertes Rentensystem funktionieren? – führt vor allem zu einem: Freiwillig Kinderlose werden zu Unrecht diskriminiert. Dagegen wehrt sich Nicole Huber, bekennende Mutterschaftsverweigerin, mit Biss, Humor und Scharfsinn. Ihr Plädoyer lautet: Freiwillige Kinderlosigkeit ist nicht nur sozial akzeptabel, sondern stellt einen unverzichtbaren Beitrag zu einer gerechteren Welt dar, die von Überbevölkerung, Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit gebeutelt wird.
 

Die deutsche Gesellschaft ist im Großen und Ganzen freiheitlich und tolerant. Nur im Umgang mit Menschen, die keine Kinder haben wollen, hat sie ein Problem. Die Verweigerung gilt als Provokation pur. Denn wer, bitteschön, soll die Rentenkassen füllen, wenn wir uns im Alter zur wohlverdienten Ruhe setzen wollen, wer soll mit seinen Beiträgen das Gesundheitssystem am Laufen halten und wer die deutsche Kultur am Leben? Um den Kollaps abzuwenden, müssen also Kinder her. Und damit die Lust, Eltern zu werden, steigt, werden unermüdlich staatlich finanzierte Anreizmodelle ersonnen, die das Kinderkriegen schmackhaft machen sollen. Das Nachsehen haben die Kinderlosen bzw. Kinderfreien. Sie büßen steuerlich für die nicht erbrachte Leistung und werden vom Rest der Gesellschaft gerne als egoistische Konsumjunkies gebrandmarkt.
Zu Unrecht, wie Nicole Huber meint. Mit Verve und Scharfsinn hinterfragt sie diese Anti-Kinderlos-Haltung kritisch, offenbart Widersprüchlichkeiten herrlichster Natur und verweist dabei auch auf eine Tatsache, die nicht zu leugnen ist: dass die Menschheit den Planeten Erde an die Grenzen seiner Tragfähigkeit gebracht hat. Gebot der Stunde sollte sein, die nationalen Interessen hintanzustellen, die verkrustete umlagefinanzierte Systemlogik zu überdenken und Mäßigung zu leben. Jedes Kind, das nicht gezeugt wird, ermöglicht einem bereits geborenen ein besseres Leben. Ein feurig-sarkastischen Plädoyer für Kinderfreiheit, das zum Nachdenken anregt.



Huber, Nicole


 Nicole Huber, Jahrgang 1973, studierte Jura und arbeitete als Anwältin mit den Schwerpunkten Ausländer- und Sozialrecht. Seit 2004 ist sie als Übersetzerin für Wirtschafts- und Rechtstexte tätig und lebt mit ihrem britischen Lebensgefährten kinderfrei und glücklich in Regensburg.

Beitrag von single-generation.de zum Thema;

Die Kultur der Kinderlosigkeit in Deutschland: Gewollte Kinderlosigkeit - ein Tabuthema rückt in den Mittelpunkt der politischen Debatte
Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist. Oder: Karl Otto Hondrich - Weniger sind mehr
Generation Kinderlos - Günter Keil & Gisela Bruschek zeigen, dass Kinderlosigkeit in keinem Kausalzusammenhang mit Egoismus, Kinderfeindlichkeit, Karrierefixierung oder Schmarotzertum steht

Deutschland habe "versagt", sei europäisches Schlusslicht in Sachen Kinderkriegen, weil die Politik zu wenig positive Rahmenbedingungen schaffe, hieß es in der vergangenen Woche wieder fast unisono in der hiesigen Medienlandschaft. Aber ist es wirklich so schlimm, dass sich viele Frauen bzw. Paare gegen Nachwuchs und statt dessen für ein "kinderfreies" Leben entscheiden? Nicole Huber hat das getan und genießt ihr Leben ohne Kinder.  Sie ärgert sich darüber, dass Kinderlose oft als egoistisch verurteilt und verantwortlich gemacht werden für leere Rentenkassen, Wertefall oder gar das drohende "Aussterben" des deutschen Volkes. Oder dass  man sie  mitleidig belächelt und fragt : "Klappt es nicht?" Nicole Huber sieht im hiesigen Umgang mit Kindern eine pure Kosten-Nutzen-Rechnung und viel Heuchelei am Werk. Außerdem ist sie der Ansicht, dass es auch in Anbetracht der Überbevölkerung gar nicht so schlecht ist, wenn nicht nur wir Deutschen weniger Kinder in die Welt setzen. Die Anwältin und Übersetzerin hat sich ihren Unmut in einem Buch von der Seele geschrieben.
In der WDR 5- Redezeit erläutert sie ihre Thesen und möchte im Anschluß mit den Hörerinnen und Hörern  diskutieren.  


Nicole Huber nimmt den "Familienfundamentalismus", wie sie es nennt, kritisch unter die Lupe und rechnet vor, was Kinderlose in die Staats- und Sozialkassen einzahlen müssen. Leider wartet sie auch mit Pauschalurteilen und Stammtischparolen auf.
Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland so wenig Kinder zur Welt wie in keinem anderen Land der EU. Seit Jahrzehnten sterben hierzulande mehr Menschen als geboren werden. Solche Nachrichten erschrecken vor allem die Demografen. Nicole Huber indes dürften sie freuen. Sie ist bekennende Mutterschaftsverweigerin - eben "kinderfrei" und so provokant, wie es der Titel ihres Buches ausdrückt.
Darin debattiert die 36-jährige Regensburger Übersetzerin für Wirtschafts- und Rechtstexte all jene Themen, die mehr oder weniger mit der K-Frage - Kinder oder keine - zusammenhängen: besonderer Schutz von Ehe und Familie, Gleichstellung aller Lebensformen, Familienförderung, Kinderbetreuung, Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. 
"Die körperlichen Leiden bei der Geburt, der mögliche Verlust sexueller Erregung durch eine Weitung der Vagina, das Eingeständnis, dass die Beschäftigung mit Kleinkindern einen halbwegs intelligenten gebildeten Erwachsenen vor Langeweile die Wände hochtreiben kann - all das ist kein Thema für die Medien."
Einfältiger als Hubers Thesen sind nur noch die Zitate ihrer Protagonisten. Da sagt zum Beispiel Sara, dass ein Kind mit ihren Genen wahrscheinlich shopping-süchtig wäre. Und Saras Verlobter, der auch keine Kinder wolle, könne keine Windeln wechseln. Er komme ja kaum mit dem Katzenklo zurecht. Caro, eine andere Kinderlose, meint:
"Leute, die Eltern werden wollen, sollten lieber ein Kind adoptieren, wo es doch so viele Kinder gibt, die kein Zuhause oder ein schlechtes haben ..."


weitere Informationen
http://www.urlaub-ohne-kinder.info/pages/hotels.shtml

Frauen ohne Kinder - frei oder einsam? 

Skurrile Debatte - Kulturkampf ums "Café Kinderfrei"Ein Berliner Café richtet einen Raum ein, in dem Kinder nicht erlaubt sind - damit Kinderlose in Ruhe Zeitung lesen können. Seitdem tobt ein weltweiter Streit: Dürfen die das? Die Wirte fühlen sich missverstanden. Von Steven Geyer

Kinderfreie Zone – Urlaub nur für Erwachsene
Publiziert von Kerstin  Deharde
 [photopress:Hotelpool.jpg,thumb,pp_image]Ein neuer Reisetrend greift um sich: „Adults only”, Clubs und Hotels in denen Kinder unerwünscht sind. Erst dieser Tage veröffentlichte die spanische Hotelkette Iberostar eine Pressemaldung, in der sie verkündete, dass sie fünf weitere Häuser auf Mallorca, den Kanaren, in Kroatien sowie in den Ferndestinationen Dominikanische Republik und Jamaika eröffnen will, in keine Buchungen für Personen unter 14 Jahren vorgenommen werden. Auch andere renommierte Reiseveranstalter haben sich längst auf die Zielgruppe „kinderlose Erwachsene” eingestellt. Auf unsere Gesellschaft wirft dieses Phänomen jedoch eher ein trauriges Bild.

Kommentare:

  1. Es ist gut, daß die Autorin keine Kinder haben möchte. Ich würde sie mir z.B. als Mutter nicht wünschen. Kinderkriegen, Versorgen, Umsorgen, Lieben und durch das Leben begleiten, ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Aber Kinder sind weitaus mehr als nur Windeln wechseln und Babygeschrei. Kinder sind menschliche Wesen, die viel Freude machen. Es gab Zeiten, da hieß es , die Bundesrepublik sei ein kinderfeindliches Land, und kinderreiche Familien wurden als Asoziale abgestempelt. Wir sollten froh sein, daß heute und hier jedes Kind, das auf die Welt kommt, auch gesellschaftlich erwünscht ist. Als Kinderlose habe ich und andere kinderlose Frauen, die ich kenne, nicht das Gefühl, als `Sozialschmarotzerin` zu gelten. Von Familienfundamentalismus und Sozialschmarotzertum zu sprechen, finde ich nicht nur polemisch, sondern es zeigt mir, daß die Autorin in ihrer Unwissenheit und Voreingenommenheit völlig übertreibt, und ich sehe darin auch eine emotionale Kälte. Außerdem müsste ihr doch bekannt sein, daß z.B. in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden, also die Deutschen den von Frau Huber gewünschten Beitrag zur Überbevölkerung längst verinnerlicht haben?

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  2. Warum müssen Kinderlose immer politisch korrekt sein? Die Bemerkungen, die sich so manch eine(r)anhören muss, sind es auch nicht. Endlich wirft mal jemand den Ball ordentlich zurück! Ich schreibe dies als Mutter, als Lehrerin (die sich immer wieder fragt, warum Leute, die mit einem Kind nicht zurechtkommen, sich unbedingt noch weitere zulegen müssen) sowie als berufstätige Frau, der viele Arbeiten von Kinderlosen bzw. Kinderfreien abgenommen werden, die sie nicht selbst erledigen kann (Frühdienste, Abendveranstaltungen, private Forbildungen).Ich würde Nicole Huber sofort zu meiner Mutter nehmen, denn sie hat a) Biss, b) Intelligenz, c) meinen Humor (selbst schuld, wer Sarkasmus nicht versteht) und d)die bewusste Entscheidung für oder gegen ein Kind - als Mutter wäre sie keine herzenskalte Frau, sondern eine Mutter, die sich bewusst für ihr Kind entschieden hat. Man mag das Argument der Überbevölkerung etwas albern finden (ich auch), Tatsache jedoch bleibt, dass die Autorin das Argument der Gegenseite (Deutschland stirbt aus) damit wirkungsvoll aushebelt - zeigt sie doch damit auch, wie albern diese Hochrechnerei ist und wie viele Statistiken mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind. Ich hoffe noch auf ganz viele Bücher von Nicole Huber!

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