18 Oktober 2012

Lesen macht klug und schoen 803 - Willi Jasper - Carla Mann

Über das bewegende Porträt Carlas hinaus gelingt Jasper ein neuer, aufschlussreicher Blick auf die Schriftsteller-Brüder und die Mann-Familie insgesamt.
Willi Jasper - Carla Mann
Das tragische Leben im Schatten der Brüder
Biografie
propyläen verlag
 € 19,99
ISBN 9783549074060
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)



"Der Mann-Clan fasziniert die Deutschen immer neu. Kein Wunder, bot er doch alles, was den voyeuristischen Bürgerblick befriedigt: Prunk und Ruhm, Absturz und Selbstmord, Rausch und Exzess, Homosexualität und Inzest. Im brüderlichen Wettkampf Mann (Thomas) gegen Mann (Heinrich) blieben vor allem die Frauen auf der Strecke, nicht zuletzt Carla, die jüngste Schwester. Sie brachte sich, nur 28-jährig, mit Zyankali um. 
Anhand zahlreicher neuer Quellen schildert Willi Jasper erstmals ihr tragisch kurzes Leben und die mysteriösen Umstände ihres Todes.

Früh versuchte Carla aus der großbürgerlichen Familie auszubrechen und als Schauspielerin ihren eigenen Weg zu gehen. 

Doch sie verzweifelte am ausbleibenden Erfolg, an unglücklichen Männerbeziehungen und nicht zuletzt an ihrer Existenz im Schatten der Brüder. Während Thomas ihr Bohème-Leben offen missbilligte, unterstützte Heinrich sie zwar materiell und moralisch, beutete zugleich aber ihr Leben, ihre Amouren und ihre Briefe hemmungslos für seine literarischen Zwecke aus. 

Umgekehrt lebte Carla nach dem Vorbild seiner Novellen und Romane – musste sie auch so sterben? 
Über das bewegende Porträt Carlas hinaus gelingt Jasper ein neuer, aufschlussreicher Blick auf die Schriftsteller-Brüder und die Mann-Familie insgesamt."

»Sie hatte nicht das Gefühl unseres gemeinsamen Schicksals.« Thomas Mann





Carla Manngeboren am 23. September 1881 in Lübeck
gestorben am 30. Juli 1910 in Polling in Oberbayern
deutsche Schauspielerin; Schwester von Heinrich, Julia und Thomas Mann
100. Todestag am 30. Juli 2010

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/carla-mann/

Willi Jasper
Willi Jasper, geboren 1945, lebt als Kulturwissenschaftler und Publizist in Berlin. Bis 2010 war er Professor für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Potsdam. Zahlreiche Veröffentlichungen über Thomas und Heinrich Mann, darunter die Biographie »Heinrich Mann – der Bruder«. Bei Propyläen erschien 2001 eine Lessing-Biographie von ihm.



Presse:
In der berühmten Familie Mann gibt es ebenso viele großartige wie erschütternde Lebensgeschichten. Eine der tragischsten ist wohl die von Carla Mann, der jüngsten Schwester von Thomas und Heinrich Mann. Nach einem rastlosen Leben beging sie mit nur 28 Jahren Selbstmord.
Erstaunlicherweise hat Carla Mann bisher nur wenig Interesse unter Biografen gefunden. Nun hat der Kulturwissenschaftler und Publizist Willi Jasper eine lesenswerte und einfühlsame Biografie vorgelegt. „Carla Mann. Das tragische Leben im Schatten der Brüder“ ist das Porträt einer sensiblen Frau, die beruflich und privat an ihren eigenen Ansprüchen scheiterte. Ihre Karriere als Schauspielerin brachte Carla Mann nicht den erhofften Durchbruch, sondern stellte sie ins gesellschaftliche Abseits. Immer wieder verwickelte sie sich in unglückliche Liebesbeziehungen, zum Teil mit homosexuellen Männern. Ihre letzte Liebe wurde ihr dann zum Verhängnis....
Literatur: Das tragische Schicksal der Carla Mann - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-das-tragische-schicksal-der-carla-mann_aid_832479.html


Jasper zeigt auch das vertrauensvolle Verhältnis zum Bruder Heinrich auf. Doch am Ende nutzte er Carlas Leben vor allem als Vorlage für seine Kunst.
http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10025&pk=836389&p=1

Gespraech mit Will Jaspers: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/literaturzeit/audio97936-popup.html

Deutlich fällt sein Urteil über die Brüder aus: Anders als Heinrich, der eine Mitschuld an Carlas Tod einräumte, wies Thomas dies von sich. Gefühlskalt sah er im Freitod der Schwester einen „Verrat an unserer geschwisterlichen Gemeinschaft“. Carla Manns dramatisches Schicksal dient Jasper als „Schlüssel zum tieferen Verständnis der gesamten Tragik der Dichterfamilie“. Da die Schauspielerin sich nicht aus den zerstörerischen und selbstzerstörerischen Tendenzen der Schriftstellerdynastie habe lösen können, sei am Ende ihr Bemühen, Kunst und Leben in Einklang zu bringen gescheitert. In der Geschichte der Familie , deren letzte große biographische Lücke Jaspers Buch schließt, war ihr Tod nur der erste in einer langen Reihe von Suiziden.http://www.tagesspiegel.de/kultur/biographie-ueber-carla-mann-im-schatten/7213416.html



Leicht veränderte Fassung eines Beitrags in: EMMA Juli/August 2000.:
Die Frauen im Schatten von Heinrich und Thomas Mann - Marianne Krüll:
Wir kennen sie alle, haben einige ihrer Werke - wenn auch meist als aufgezwungene Schullektüre - gelesen: den bürgerlich-genialen Thomas Mann, Autor der "Buddenbrooks" und des "Tod in Venedig"; den kritisch-engagierten Heinrich Mann, den um vier Jahre älteren Bruder, der den "Untertan" und "Professor Unrat" schrieb und schließlich Klaus, den schillernden Sohn von Thomas Mann, dessen Roman "Mephisto" erst Jahre nach seinem Freitod veröffentlicht wurde.
Aber wer kennt schon die Menschen - vor allem die Frauen -, die im Schatten dieser berühmten Männer lebten? Wer weiß, daß beide Schwestern von Heinrich und Thomas Mann sich selbst töteten, daß nicht nur Klaus, sondern auch Michael, der jüngste Sohn von Thomas Mann den Freitod wählte? Wer kennt das tragische Schicksal der Mutter Julia, die als siebenjährige Mutterwaise von ihrem Vater aus Brasilien ins kalte Lübeck verpflanzt wurde? Wer weiß, daß Katia Pringsheim, die "Prinzessin von München" und ergebene Ehefrau von Thomas Mann, die Enkelin der berühmten Feministin Hedwig Dohm war?
weiterlesen hier: http://www.mariannekruell.de/schriftstellerin/vt-mann.htm


CARLA MANN - Carla und ihre Brüder
Kampfplatz Familie: Die Schwester von Thomas und Heinrich Mann brachte sich vor 100 Jahren um. Warum? von Willi Jasper
Heinrich schrieb das Drehbuch für das Leben der »gefallenen« Schwester
Carlas Selbstmord war für Heinrich literarisches Material
 Unmittelbar vor ihrem Freitod gab es eine von außen gesteuerte, dramatische Eifersuchtsszene mit ihrem Verlobten. In den Trauerbekundungen der Familie Mann wurde jede Mitschuld am Schicksal Carlas zurückgewiesen. Nur Heinrich Mann erklärte später, seine »Verantwortung« sei »schwer« gewesen. Allerdings hat sein besonderes Verantwortungsgefühl ihn nicht daran gehindert, Carlas private Tragödie nur wenige Monate nach ihrem Tod unter dem Dramentitel Schauspielerin (als Fortsetzung der gleichnamigen Novelle) auf die Bühne zu bringen. Tilla Durieux hatte die Rolle übernommen, und die Brüder Heinrich und Thomas Mann saßen nebeneinander im Parkett und applaudierten heftig.
http://www.zeit.de/2010/30/Carla-Mann/komplettansicht



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