31 Dezember 2012

Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984–1992 Film Dagmar Schultz - Lesen macht klug und schoen 867

Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984–1992
Film von Dagmar Schultz 




Buch/Regie: Dagmar Schultz, in Zusammenarbeit mit Ika Hügel-Marshall und Ria Cheatom
Land: Deutschland
Regisseurbiographie: Klicken Sie hier für Biographie der Regisseurin
Sprachen: English/Deutsch mit Untertiteln in English/Deutsch
Format: DVD; DigiBeta (NTSC and PAL)
Art: Dokumentarfilm
Produktion: Dagmar Schultz
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 84 Minuten
Salzgeber Verlag
19,90 Euro
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)

Audre Lorde, die einflussreiche, preisgekrönte afro-amerikanische, lesbische Dichterin lebte und lehrte in den 1980er Jahren in West-Berlin. Während ihres Aufenthaltes als Gastprofessorin; wurde sie zur entscheidenden Mentorin und Initiatorin der Afro-Deutschen Bewegung. Die weißen Deutschen forderte sie dazu heraus, die Bedeutung ihrer weißen Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten auf konstruktive Weise umzugehen.

FILMINHALT:
Audre Lordes prägnante, leidenschaftliche und immer brilliante Texte und Vorträge definierten und inspirierten in den 1970ern und 1980ern feministische, lesbische, Afro-Amerikanische und “women of color Bewegungen“ in den USA, sowie weltweit. 
Audre Lorde - the Berlin Years 1984 to 1992 
dokumentiert ein bisher unbekanntes Kapitel aus Lordes Leben: ihren Einfluss auf die politische und kulturelle Szene in Deutschland in einem Jahrzehnt tiefen sozialen Wandels.

Der Film hebt die Wichtigkeit von Audre Lordes Werk hervor, durch das Afro-Deutsche dazu ermutigt wurden, in einer Gesellschaft auf sich aufmerksam zu machen, in der sie bis dahin isoliert und schweigend gelebt hatten und in der sie weder einen Raum noch einen Namen für sich selbst besaßen. Er berichtet darüber, wie Lorde sowohl die Afro-deutschen Frauen darin bestärkt; zu schreiben und zu publizieren, als auch die weißen deutschen Frauen dazu herausforderte, die Bedeutung ihrer weißen Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten auf konstruktive Weise umzugehen. 
Bislang unveröffentlichtes Archivmaterial und aktuelle Interviews verdeutlichen den fortwährenden Einfluss von Lordes Werk, Ideen und Persönlichkeit. 
Zum ersten Mal erlauben persönliche Video- und  Audio-aufzeichnungen von Dagmar Schultz einen tiefen Blick in das Leben der privaten Audre Lorde, als auch in ihr Ziel, dass Afro-Deutsche sich gegenseitig erkennen und verbinden. 
2012 ist das zwanzigste Todesjahr von Audre Lorde.


Auch zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist der Einfluss der Schriftstellerin und Aktivistin Audre Lorde auf die afroamerikanischen, feministischen und queeren Bewegungen außerordentlich lebendig. Ein wenig beachtetes Kapitel sind dabei ihre Berliner Jahre von 1984 bis 1992, in denen Lorde Afrodeutschen zu mehr Selbstbewusstsein verhalf und die sozialen Veränderungen in der Stadt kommentierte, die von Mauerfall und Wiedervereinigung geprägt waren. Weiße Deutsche forderte sie dazu heraus, ihre Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten konstruktiv umzugehen.
Persönliche Video- und Audioaufzeichnungen von Dagmar Schultz erlauben einen besonderen Blick in das Leben der privaten Audre Lorde, lassen aber auch Mitstreiter_innen, Studierende und Freund_innen zu Wort kommen. 
Das außergewöhnliche Porträt wurde im Panorama der Berlinale 2012 uraufgeführt.

„Dieser Film ist ein Geschenk an die Geschichte, für Studierende, Revolutionäre, für (insbesondere lesbische) Frauen und Menschen mit Migrationshintergund. Und: Er ist ein Werk der Liebe!“ (Kitty Cone)
„Audre Lorde, die feministische Überfigur, wollte eine ‚unwiderstehliche Revolution‘. 

Dieses lebendige Dokumentarfilmporträt zeigt, dass Lorde selbst als Revolutionärin unwiderstehlich war!“ (Trista S. Kendall)



Audre Lorde - The Berlin Years 1984 to 1992 - Trailer - TWN




Pressespiegel
Dagmar Schultz


Kommentar der Regisseurin
Dr.Dagmar Schultz
Von 1963 bis 1973 lebte ich in den USA und in Puerto Rico und war dort in der Bürgerrechtsbewegung, in der Anti-Vietnambewegung und schließlich in der Frauen- und Lesbenbewegung aktiv. Durch diese Tätigkeiten hatte ich viel Gelegenheit, mich mit meiner Rolle als Deutsche und als weiße Europäerin auseinanderzusetzen. Nach meiner Rückkehr nach Berlin wurde mir immer klarer, wie sehr die Abwesenheit von Schwarzen, jüdischen und migrierten Frauen in der Frauenbewegung bestimmend für das Selbstverständnis der deutschen Bewegung war. 1980 begegnete ich Audre Lorde zum ersten Mal auf der „Weltfrauenkonferenz“ in Kopenhagen in der Diskussion nach einer Lesung. Sie redete über die Bedeutung ihrer Arbeit als Dichterin, über Rassismus und Unterschiede zwischen Frauen, über Frauen in Europa, den USA und Südafrika und sprach von der Notwendigkeit einer Zukunftsvision als Wegweiser für unser politisches Handeln. Mir wurde an diesem Abend klar: Audre Lorde musste in der Bundesrepublik von Frauen gehört werden, ihre Stimme könnte Frauen aus ihrer teilweise provinziellen, an den Erfahrungen weißer Frauen ausgerichteten Politik herauskatapultieren. 1984 erfüllte sich mein Wunsch: Audre Lorde kam nach Berlin und bot u.a. das erste Seminar in kreativem Schreiben an. Sie machte sich auf die Suche nach Schwarzen Deutschen und so entstand unsere gemeinsame Arbeit an dem Buch Farbe Bekennen.

Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ und damit auch meine Freundschaften mit Afrodeutschen. Audre kehrte 1986 nach Berlin zurück und verbrachte bis 1992 jährlich mehrere Wochen und Monate in der Stadt. In den letzten zwei Jahren wohnte sie bei mir und meiner Partnerin Ika Hügel-Marshall, und wir besuchten Audre und ihre Lebensgefährtin Gloria Joseph in St. Croix. So entwickelte sich eine langjährige Freundschaft: wir arbeiteten an der Veröffentlichung ihrer Bücher zusammen, wir machten Lesereisen bei denen ich übersetzte und wir veröffentlichten im Orlanda Verlag vier weitere Bücher mit Audres Werken. (Der Roman ZAMI. Eine neue Schreibweise meines Namens wird im März 2012 vom Unrast Verlag wieder aufgelegt). Audre Lorde hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den Orlanda Frauenverlag. Wir verwirklichten unser Ziel ein Team aus Schwarzen und weißen Mitarbeiterinnen zu werden und erweiterten ganz in Audres Sinn unsere Sichtweisen und lernten, konstruktiv mit unseren Unterschiedlichkeiten umzugehen.

Ein anderer Aspekt unserer Freundschaft hatte mit Audres Krebserkrankung zu tun: ich vermittelte Audre naturheilkundliche Behandlungen und begleitete sie dabei über die Jahre. Für mich bedeutete dies eine ganz besondere Auseinandersetzung mit Krankheit und Tos—die mir Jahre später auch dabei half mit meiner eigenen Krebserkrankung umzugehen. Audre sagte bezüglich der Krankheit: „Wir begegnen dem Krebs, wie wir jeder anderen Krise begegnen—mit allem was uns als Person ausmacht.“ Ein Zeichen ihrer Freundschaft war, dass sie mich als Person und als Freundin herausforderte. Von ihr lernte ich, dass ich als weiße Frau nicht davon ausgehen konnte, dass eine Schwarze Frau mir vertrauen würde, sondern dass ich bereit sein musste, dieses Vertrauen immer wieder aufzubauen.

Glücklicherweise habe ich während dieses Jahrzehnts Audre mit ihrer Zustimmung in Foto-, Videound Audioaufnahmen aufgenommen, ohne jedoch Pläne für dieses reiche Material zu haben. In den folgenden fast 20 Jahren, die ich brauchte, um das Filmprojekt zu realisieren, war mir klar, dass ich dieses Material möglichst vielen Menschen zugänglich machen wollte. Zusammen mit Ika Hügel-Marshall und Ria Cheatom entwickelte ich ein Script, das Aletta von Vietinghoff mit viel Geschick für den Film umsetzte. Audre Lorde – The Berlin Years bringt ein bisher wenig beachtetes Kapitel in Audres Leben ans Licht, das für sie und für Schwarze und weiße feministische Communities in Deutschland und Europa ungemein wichtig war und weiterhin ist. 
http://dagmarschultz.com/projects.html

https://www.facebook.com/AudreLordeBerlinYears


Women speak on secularism ... from Berlin, Dagmar Schultz



Black Feminism - A definition of black feminism.



zitat zum daily book heute:
"Erotik ist jedoch eine Quelle erfüllender und provozierender Macht für diejenige Frau, die ihre Offenbarung nicht fürchtet und auch nicht dem Glauben erliegt, mit dem Gefühl der Erregung sei es getan. Erotik ist ein Maß der beginnenden Wahrnehmung unserer selbst im Chaos unserer stärksten Gefühle. Sie ist eine Empfindung innerer Befriedigung, von der wir - wenn wir sie einmal erlebt haben - wissen, dass wir sie anstreben können."
(1978) Audre Lorde

bereits im daily book blog vorgestellt:
Peggy Piesche - Euer Schweigen schützt Euch nicht - Audre Lorde - Lesen macht klug und schoen 820
Peggy Piesche (Hg.) - Euer Schweigen schützt Euch nicht
euer_schweigen_schuetzt_euch_nicht_g.png
Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland
Biographie/Sachbuch Frauenbewegung


Weitere Literatur bei Lillemors:
Lorde, Audrey
ZAMI
Eine neue Schreibweise meines Namens. Eine Mythobiografie- Übersetzt und neu bearbeitet von Karen Nölle.
In ZAMI erschafft die afroamerikanische Dichterin eine neue Form der Mythobiografie, eine Verknüpfung von Elementen aus Autobiografie,...  
Unrast
16,80 €

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