10 Februar 2013

Else Lasker-Schüler - Die kreisende Weltfabrik - Lesen macht klug und schoen 906

Es gibt auch eine andere Seite der Else Lasker-Schüler, die viel zu wenig wahrgenommen wurde und wird: die der genauen Beobachterin des großstädtischen Lebens in Berlin.
Else Lasker-Schüler - Die kreisende Weltfabrik
Berliner Ansichten und Porträts



Transit Buchverlag, Berlin 2012
ISBN 9783887472825
14,80 EUR
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Else Lasker-Schüler, 1869 in Elberfeld (Wuppertal) geboren, 1945 in Jerusalem gestorben, lebte seit 1894 in Berlin, schrieb Gedichte, Theaterstücke, Prosa und wurde eine der bekanntesten Figuren der aufregenden zehner und schrillen zwanziger Jahre. 1933 musste sie in die Schweiz emi­grieren, seit 1939 lebte sie in Palästina. Für Gottfried Benn war sie »die größte Lyrikerin des Jahrhunderts«.
Ihr Ruhm basiert auf sehr poetischen und phantasiereichen Liebesgedichten, auf ihrer unkonventionellen Lebensweise, auch auf der Fähigkeit, geradezu schwärmerisch auf Personen zuzugehen, die sie als geistesverwandt ansah und dann in Gedichten und Briefen verewigte. 
Es gibt auch eine andere Seite der Else Lasker-Schüler, die viel zu wenig wahrgenommen wurde und wird: die der genauen Beobachterin des großstädtischen Lebens in Berlin. Es gibt eine Reihe von Prosatexten und Porträts aus den zehner und zwanziger Jahren, also aus der Zeit, in der Else Lasker-Schüler in Berlin lebte, die eine überraschend präzise formulierende Autorin zeigen und das Bild korrigieren, das von vielen Interpreten (à la »eine ganz nach innen gekehrte Seherin«) geprägt wurde. Sie ist hier als Autorin zu entdecken, die ihre soziale Umgebung mit allen Details und Widersprüchen wahrnahm, sie hinreißend genau beschreiben konnte und dann mit ihrer einzigartigen Ausdruckskraft zum Leuchten brachte. 
In einer manchmal ironischen, manchmal ganz sachlich am Gegenstand (Straßen, Plätze, Bäume, Hotels, Cafés etc.) oder an Personen (Porträts von Zeitgenossen, bekannten wie unbekannten) orientierten Sprache hat Else Lasker-Schüler etwas über die damalige Zeit und das damalige Berlin zu sagen, was über die Feuilletons anderer Autoren dieser Zeit hinausgeht und eine ganz eigene Farbe trägt.




Else Lasker-Schüler, Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal) als Tochter eines jüdischen Privatbankiers geboren. Nach der Heirat mit dem Arzt Berthold Lasker siedelte sie nach Berlin über, wo sie sich ihrer zeichnerischen Ausbildung widmete. 1899 wurde ihr Sohn Paul geboren. Im selben Jahr veröffentlichte sie auch erste Gedichte in der Zeitschrift Die Gesellschaft, 1902 folgte ihr erster, noch impressionistisch geprägter Gedichtband Styx, mit dem sie bekannt wurde. Nach ihrer Scheidung heiratete sie den Schriftsteller Herwarth Walden, den Herausgeber der expressionistischen Zeitschrift Der Sturm. 1906 erschien ihr erstes Prosawerk Das Peter-Hille-Buch, dem in den folgenden Jahren viele weitere folgten. 
Lasker-Schüler wandte sich schließlich dem Expressionismus zu und verfaßte neben Lyrik und Prosaliteratur auch Essays, Theater- und Literaturkritiken. Sie war eine exzentrische Frau, die durch ihr Auftreten und ihre (Ver)Kleidungen Konventionen herausforderte und Aufsehen und Anstoß erregte. Nach dem Tod ihres Sohnes 1927, zog sie sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück. 1932 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Kleist-Preis geehrt, mußte aber schon ein Jahr später aufgrund öffentlicher Angriffe ins Exil in die Schweiz gehen. Es folgten mehrere Palästina-Reisen. Am 22. Januar 1945 starb Lasker-Schüler in Jerusalem.
Für Gottfried Benn war sie »die größte Lyrikerin des Jahrhunderts«. Im Herbst 2012 erschien eine Auswahl ihrer Texte in dem von Heidrun Loeper herausgegebenen und mit einem Nachwort versehenen Bandes »Else Lasker-Schüler. Die kreisende Weltfabrik. Berliner Ansichten und Porträts«.
http://de.wikipedia.org/wiki/Else_Lasker-Sch%C3%BCler


Presse:
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2013
"Einen naturalistischen Blick auf Personen und Geschehen im Berlin der Jahrhundertwende sollten wir von dieser reich mit Fantasie begabten Autorin besser nicht erwarten, erklärt Frauke Meyer-Gosau angesichts von Else Lasker-Schülers Berliner Ansichten und Porträts, die laut Rezensentin schon durch ihre kluge Zusammenstellung, durch Kommentar und Nachwort (Heidrun Loeper) bestechen. Zusätzlich zum Rencontre mit Alfred Kerr, Magnus Hirschfeld und dem Dalai Lama im Hotel bietet der Band der Rezensentin ein lebendiges  und persönlich gefärbtes Panorama Berlins in einer intellektuell, künstlerisch und politisch bewegten Zeit."

Süddeutsche Zeitung, 28. Januar 2013
Frauke Meyer-Gosau
"Eine Auswahl, bestens kommentiert und mit einem informativen Nachwort versehen. Durch seine intelligente Zusammenstelllung schafft dieser schmale Band Erstaunliches: Zum einen wandert man mit der Dichterin durch ihr Berlin … und lernt ihre Freundinnen und Freunde kennen. Zum anderen entsteht auch ein Porträt der in diesen Jahren so heftig bewegten Stadt Berlin. Ein sehr persönlicher Zeit-, Stadt- und Personenführer."
Den vollständigen Artikel lesen:Jussuf und der Ober-Lama

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Januar 2013
Wiebke Poromka
"[…] Licht auf die weniger bekannte Seite der Autorin wirft erfreulicherweise dieser schmale Band."
Den vollständigen Artikel lesen:Asphaltiertes Herz

Deutschlandradio Kultur, 8. Januar 2013
Edelgard von Abenstein
"[…] ein Leben zwischen Dichten und Lieben, das weitaus mehr war als ein schillerndes Kostümfest."
Den vollständigen Artikel hören:Deutschlandradio Kultur

Berliner Tagesspiegel, 16. Dezember 2012
Geschenktipp von Christoph Stollowsky
"Für Literaturfreunde […] Lange Zeit waren viele der Texte vergessen, nun hat sie der Transit-Verlag eingesammelt und in einem Buch vereint, das für Literaturfreunde gewiss eine kleine Kostbarkeit ist."
Den vollständigen Artikel lesen:Für Literaturfreunde

Berliner Tagesspiegel, 23. September 2012
Erhard Schütz
"Else Lasker-Schüler singt Hymnen auf Berlin … Wer ihr bisher als exaltiert Schraubenlockerer oder von kratzbürstigen Leidensdamen adoptiertem Schmusetier aus dem Weg gegangen ist, kann nun Versäumtes nachholen. Es lohnt sich gleich dreifach. … Man lernt erstens die poetische Prosa einer Dichterin kennen. … Man lernt zweitens und vor allem das Berlin zwischen 1903 und 1928 neu kennen … Ach ja, der dritte Lohn des Lesers: ein sorgfältig, liebevoll und schön gemachtes Büchlein."
Den vollständigen Artikel lesen:Galopp der Großstadt

rbb Kulturradio am Morgen, 21. September 2012
Frank Dietschreit
"[…] Die Herausgeberin hat zweierlei gemacht: sie gibt zu jedem Text ein paar kluge Anmerkungen und Erklärungen, und sie hat ein wunderbares Nachwort geschrieben, allein dieser sensible und kenntnisreiche Text über die Berliner Jahre von Else Lasker-Schüler lohnt schon den Kauf und die Lektüre des Buches: ein Genuss."
Den vollständigen Artikel lesen:http://www.Kulturradio.de

Literarische Welt, 18. August 2012
Jakob Hessing
"Gekonnt: Else Lasker-Schüler neu entdeckt. […] In einem schön gestalteten Auswahlband sind ihre Berliner Feuilletons wieder zu lesen, und ein informatives Nachwort der Herausgeberin Heidrun Loeper führt durch Lasker-Schülers Jahre in der Stadt."
Den vollständigen Artikel lesen:http://www.Literarische Welt.de

LESEPROBE

"Die beiden weißen Bänke vom Kurfürstendamm Morgens standen sie plötzlich auf dem Kurfürstendamm wie vom Himmel gefallen in Mondsichelfasson. Die eine weiße Bank winkte den Letzten, die aus der Friedrich-Wilhelm-Gedächtniskirche kamen, freundlich zu, die andere weiße Bank lud eine blonde Schöne ein in aschgrünem Samt. Ich bin seitdem öfters an den weißen Bänken vorbeigegangen; gestern setzte ich mich zum erstenmal auf die eine, den Damm weiter, auf die andere. Guckte ich geradeaus, bot sich mir ein Kreuz- und Querbild. Man sieht es vielen Vorbeieilenden an am Operngucker in ihrer Hand, wohin sie wollen – zur Hochbahn – in einer halben Stunde fangen die Theater an. Andere kommen aus der Stadt, biegen um die Joachimsthaler Straße und kehren ein in das heimatliche Café des Westens. Kommen da zwei kleine, arme Mädchen; in ihrer Mitte ihren lebendigen, rotbäckigen Hampelmann, der sprechen kann. »Zwei Jahre ist er«, erzählen sie mir und streiten sich, wer ihn aufwarten, das heißt, wer mir von ihnen seine Kunststücke zeigen wird. »Wir sind keine Schwestern«, antworten die beiden gernegroßen Mütter, sie lassen schon behäbig das Kinn hängen, fürsorglich sind sie um ihren kleinen Kasperle. »Wir sind jede für uns allein.« Sie meinten damit, sie sind nicht einmal verwandt. Lieschen ist in Pflege, ihr Pflegevater ist Nachtwächter – manchmal legt er sich vor Müdigkeit, wenn er morgens nach Haus kommt, mit dem Bund Schlüsseln und der Laterne ins Bette. Das andere Lieschen, sie heißen beide ganz gleich, erzählt: Sein Vater helfe einem Zauberer. »Ein schwarzer Neger ist sein Papa!« Es ruft mich jemand von der Haltestelle der Elektrischen, ein Dichter im Florentiner, er will in die Kolonie fahren. »Reisen Sie alleine, Torquato Tasso, ich will mich noch auf die weiße Schwesternbank setzen.« Ich sehe mich nach ihr um, sie glänzt viel bräutlicher wie diese, von der ich mich erhebe; und ich zögere, mich auf die myrtenweiße niederzusetzen. Aber die beiden Verliebten da bemerken es nicht. Aus der Kirche treten schon die ersten Sonntaglinge, die Sonne spielt Orgel um das Haus mit ihren schlanken Strahlen. Ich verstecke mein Gesicht in dem großen Glockenturm – sehe, höre und denke nichts. und doch findet man sich auf den weißen Bänken wieder, wenn man sich verloren hat."

Zitat zum daily book heute:

"Daß ich nur von mir spreche, geschieht aus übergroßer Gerechtigkeit, aus Gewissenhaftigkeit, nicht nur aus Selbstschätzung. Nämlich, weil ich mich nur kenne und von mir Auskunft geben kann." - Brief an Martin Buber, 1914. Aus: Briefe. Hrsg. von Margarete Kupper. München: Kösel, 1969. S. 118
"Der Künstler trägt die Zeit nicht, zwischen zwei Deckel gelegt, bei sich an einer Kette; er richtet sich nach dem Zeiger des Universums, weiß darum immer was die Urkuckucksuhr geschlagen."
Else Lasker-Schüler 




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