10 August 2012

Lesen macht klug und schoen 735 - Tamta Melaschwili - Abzählen

Georgischer Literaturpreis Saba 2011 für den besten Debütroman
Tamta Melaschwili - Abzählen
Roman


















Unionsverlag
ISBN 978-3-293-00439-9
 €16.90
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 Mittwoch, Donnerstag, Freitag - drei aufregende Tage für Ninzo und Ketewan, genannt Zknapi. Drei Tage, an denen die 13-jährigen Freundinnen nicht nur die üblichen Freuden und Leiden des Mädchenseins erleben, sondern auch erfahren, was es heißt, in einer gottverlassenen Konfliktzone zu leben, in der sonst bloß noch Kinder, Alte und Krüppel verblieben sind. Gewitzt muss man sein, sich was einfallen lassen. Sonst kommt man nirgendwohin, nicht an Kleider, nicht an Monatsbinden, nicht an Zigaretten und auch nicht an Milch für das Brüderchen. Was zu Friedenszeiten Recht und schicklich war, gilt nun schon lang nicht mehr. Krieg ist mehr als reine Männersache, und doch muss man bei aller mädchenhaften Gerissenheit manchmal ganz, ganz tapfer sein.
Aus dem Georgischen von Natia Mikeladse


Tamta Melaschwili

Tamta Melaschwili, geboren 1979, wuchs in Georgien auf. Sie verbrachte ein Jahr als Migrantin in Deutschland, wo sie zu schreiben begann. Melaschwili schloss 2008 ihr Studium Gender Studies an der Central European University in Budapest ab. Gegenwärtig lebt sie in Georgien und arbeitet über Frauenrechte und Genderfragen. Sie erhielt den Georgischen Literaturpreis Saba 2011 für den besten Debütroman.

Tamta Melaschwili: 
Wie ich meine Sprache wiederfand (Nachwort »Abzählen«)
.......Abzählen ist mein erstes Buch. In Georgien war es ein ziemlicher Erfolg – zahlreiche Rezensionen, ein Literaturpreis, viele Interviews und verkaufte Exemplare. Natürlich habe ich mich über den Erfolg gefreut, noch viel mehr freut es mich allerdings, dass die Leser meine Botschaft verstehen, sie annehmen und mitfühlen, sei es meine aus Abchasien geflohene Freundin oder eine unbekannte Journalistin. »Das Buch handelt von mir«, sagte sie mir, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie mied meinen Blick. Und ich mied ihren. Aus demselben Grund – auch meine Augen waren voller Tränen. Mit diesem Buch wollte ich etwas sagen, woran ich schon immer geglaubt habe. Der Krieg im Jahr 2008 hat diesen Glauben in mir noch verstärkt.
Ich glaubte und glaube immer noch daran, dass Gewalt keine Nationalität kennt. Auch keine Grenzen. Dass sie überall gleich vernichtend und überall die größte menschliche Tragödie ist. 
Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass die Tragödie, wie sie in Abzählen geschieht, überall passieren kann: in Georgien, Kosovo oder Ruanda. Ich wollte zeigen, dass es außer dem Krieg der Politiker und des Militärs noch einen anderen Krieg gibt, den der Menschen und Kinder. Und eben dieser Krieg ist am grausamsten, auch weil darin soziale Ungerechtigkeit viel stärker zum Ausdruck kommt. Ich wollte auch sagen, dass Mädchen im Krieg immer noch Mädchen sind und dass ihre Freundschaft etwas ganz Besonderes sein kann.
Spricht man von der linguistischen Eigenart dieses Textes, von seinem Rhythmus und seiner Authentizität, muss ich an »meine Sprache« aus meiner frühsten Kindheit denken. Den Rhythmus dieser Sprache habe ich jetzt in meine Texte auf Georgisch transportiert. Scheinbar habe ich sie doch nicht ganz vergessen.
Tamta Melaschwili, Dezember 2011


Presse:
Gewitzt muss man sein, wenn man in Kriegszeiten nicht nur überleben, sondern auch noch Zigaretten und Klamotten will, wie die jungen Mädchen Ninzo und Zknapi im Debütroman der georgischen Autorin Tamta Melaschwili. Lesen Sie hier den Anfang.
http://www.perlentaucher.de/vorgeblaettert/tamta-melaschwili-abzaehlen.html


»Diese packende und verstörende Prosa ist ortlos und zeitlos. ›Abzählen‹ ist ein aussergewöhnliches Debüt. Es erinnert in seiner sprachlichen Konsequenz, in der Radikalität der erzähltechnischen Anlage und nicht zuletzt in Thematik und Stimmung an Agota Kristof.«
      Martin  Ebel  Tages-Anzeiger    18.06.2012
   

»Tamta Melaschwili präsentiert das dramatische Geschehen, dem doch Witz und Zärtlichkeit nicht abgehen, in Nahaufnahmen, die auf drei Wochentage beschränkt sind. Mit knappen, rhytmischen Sätzen schafft sie bedrängende Unmittelbarkeit, ohne je ins Sentimentale abzugleiten. Es liegt am Stilwillen und an der strengen Erzähltechnik der georgischen Autorin, dass der berührende Stoff wirklich ergreift. Ein Buch, dem man viele Leser wünscht.«
      Ilma  Rakusa  Neue Zürcher Zeitung    29.03.2012
   

»Der Krieg aus der Sicht von Teenagern - allein das Thema ist ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter ist aber der Stil der jungen Schriftstellerin. Das Tempo ihres Textes, die Dynamik der Dialoge und der schnodderige Jugendjargon machen ›Abzählen‹ zu einem Werk der Atemlosigkeit.«
      Carmen  Eller  Spiegel online    02.04.2012
   

»Tamta Melaschwili hat für diesen Roman ihre ganz eigene, ungewöhnliche Erzählform gefunden. Meisterhaft zeigt sie die Absurdität und Brutalität des Krieges besonders für die sogenannte Zivilbevölkerung, also die Kinder, Frauen und die Alten.
      Birgit  Kloss  Deutschlandradio  Berlin  11.05.2012
   

»Immens dichte, rhytmisierte Dialoge in raschem Hin und Her sprechen vom Kriegsleben der Zurückgebliebenen im Hinterland. Vor allem aber vom unbändigen Lebenswillen und von immer wieder phantasiereicher Aktionsfreude zweier Freundinnen, die mit ihren dreizehn Jahren nicht mehr Kind und noch nicht richtig Frau sind. Gewitzt und kühn, notgedrungen, brechen sie zivile Verhaltensnormen, um sich und ihre Angehörigen mit Essbarem, Medikamenten, Babynahrung zu versorgen, sie übernehmen Verantwortung für das unterernährte Brüderchen, für die sterbende Großmutter.«
      Kristiane  Lichtenfeld  SR2 KulturRadio  Saarbrücken  28.04.2012
   

»Es ist schwer, das Buch auch nur kurz aus der Hand zu legen. Kaum zu glauben: ›Abzählen‹ ist Tamta Melaschwilis erster Roman.«
      Clemens  Hoffmann  SWR 2  Stuttgart  16.04.2012
   

»Ein ergreifendes Buch. Wer es gelesen hat, wird die Kriegsberichte nie mehr mit gleichen Augen sehen.«
      Balz  Spörri  Sonntagszeitung  Zürich  06.05.2012
   

»Das Debüt der 1979 geborenen Georgierin Tamta Melaschwili erzählt in rhytmischer Sprache und drastischen Bildern davon, wie es ist, in einer gottverlassenen Konfliktzone Teenie zu sein. Ein schmales Bändchen von großer erzählerischer Wucht.«
      Barbara  Mader  Der Kurier  Wien  14.04.2012
   

»Stil und Sprache sind knapp, auf das Wesentliche reduziert. Dieses Buch wirkt lange nach.«
      Brigitte  Siegmund  Buch aktuell    01.06.2012
   

»Das literarische Ereignis des Jahres. Es gab in den letzten zwanzig Jahren sicher sehr talentierte, scharfsinnige oder kunstvolle Debüts, doch keines war so konsequent und zutiefst bewegend.«
      Malchas  Charbedia    
   

»Ein kleines Buch, aber eine Bombe. Die Geburt einer neuen, selbstbewussten Stimme.«
      Davit  Gabunia    
   

»›Abzählen‹ zeigt, dass Krieg nicht reine Männersache ist.«
      Natia  Gvianishvili    
 

Meisterhaft zeigt Tamta Melaschwili die Absurdität und Brutalität des Krieges besonders für die sogenannte Zivilbevölkerung, also die Kinder, Frauen und die Alten. Sie prangert die damit verbundene soziale Ungerechtigkeit und die Gewalt an, wobei Georgien hier nur als ein Beispiel steht für alle Kriegsschauplätze der Welt. Besprochen von Birgit Koß http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1752915/


 Ihren Debütroman schrieb Melaschwili "im Durchzug auf dem Boden liegend". Es war ein "schrecklich heißer Sommer", erinnert sich die Autorin, in der Wohnung gab es weder eine Klimaanlage noch fließend Wasser. Ihrer schriftstellerischen Arbeit hat dies offenbar nicht geschadet. Melaschwilis sprachliches Stakkato lässt bis zum Schluss keine Sentimentalität aufkommen. Als Tante Dodo vor den Teenagern zur Leiche in der Schlucht bemerkt: "Hätte ihn doch gleich der begraben, der ihn getötet hat", kontert Ninzo: "Lass uns gehn, ich kann das Gelaber nicht mehr hören."
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/teenager-im-krieg-im-debuetroman-abzaehlen-von-tamta-melaschwili-a-824846.html


"Abzählen" ist ein Protestschrei gegen Gewalt und bewaffnete Konflikte, die nie von den einfachen Menschen initiiert werden, sondern Machtinteressen dienen. Daheim in Georgien ist die Autorin für ihren Erstling gefeiert worden. Sie hat den renommierten SABA-Preis für das beste literarische Debüt erhalten. Derzeit arbeitet Tamta Melaschwili an einem politikwissenschaftlichen Institut in Tiflis. Dort beschäftigt sie sich mit Frauen- und Genderfragen. Als nächstes will einen großen Roman schreiben sagt sie:
In Georgia, we think, that its about love and relationship
und kichert bei der Vorstellung, dass der nach georgischer Vorstellung unbedingt irgendetwas mit Liebe und Beziehungen zu tun haben muss. Doch das Thema Krieg lässt sie noch nicht los: Im Sommer will sie in die Konfliktzonen ihres Heimatlandes reisen. Zum ersten Mal.
Wir haben zwei Konfliktzonen, eine in Westgeorgien, und eine in der Nähe von Südossetien. Ich will beide Gebiete besuchen und etwas Dokumentarisches machen. Vielleicht schreibe ich einen Blog. Darüber, wie Menschen, wie Frauen dort leben.http://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/tamta-melaschwili-abzaehlen/-/id=8316184/nid=8316184/did=9571576/17ju91q/index.html


Interview mit der Autorin:  Malchas Charbedia: Tamta Melaschwilis Debüt
..... Tamta Melaschwili fing, wie sie sagt, zur richtigen Zeit mit Schreiben an. Sie ist 31 Jahre alt, nach Meinung vieler das beste Alter, um Gedanken und Gefühle in Prosa auszudrücken Sie wurde 1979 in Ambrolauri geboren und schloss die Mittelschule dort ab. Danach zog sie nach Tbilissi, wo sie an der Staatlichen Universität an der Fakultät für Internationale Beziehungen studierte. Wie es oft passiert, entdeckte sie bald, dass sie das falsche Fach gewählt hatte. Sie arbeitete dann an verschiedenen Stellen, ging für ein Jahr nach Deutschland und machte später in Budapest den Master in Gender Studies. Obwohl sie seit ihrer Kindheit schreibt, ist sie der Meinung, dass sie erst in Deutschland ernsthaft mit Schreiben begann, als sie sich beim georgischen Literaturportal literatura.ge registrierte.
„Mit dem Schreiben habe ich in Deutschland begonnen, nicht aus Heimweh, sondern weil mir langweilig war. Es war wohl auch Zufall, denn gerade in der Zeit hatte ich mich bei literatura.ge registriert. Sicher war da schon immer ein Keim in mir, ich habe immer gern gelesen und geschrieben. Doch dieses  Portal hat eine große Rolle gespielt, mich zum Schreiben animiert  und eine  bessere Leserin aus mir gemacht.“
Die Veröffentlichung des ersten Texts fällt in die gleiche Zeit: „Auch die erste Publikation erfolgte im Rahmen von literatura.ge – ich beteiligte mich am Wettbewerb ZERO [Kranich]. 2006 erhielt  ich den Preis der Jury  und  meine Erzählung erschien in einer Anthologie. Von dem wenigen, das ich bisher geschrieben habe, mag ich diese Erzählung ganz besonders. Später wurde sie in der  Anthologie ‚Die 15 besten Erzählungen‘ (Bakur Sulakauri Verlag) aufgenommen. Später, ich glaube, 2008, wurde eine weitere Erzählung von mir in einer Kopro-Ausgabe von lib.ge und Siesta Verlag veröffentlicht.
Tamta Melaschwili schreibt  zwar wenig, aber das kann sich auch als sehr fruchtbar erweisen, wie ihr  jüngstes Werk zeigt. (...)
Die georgischen Autorinnen und Autoren haben in der letzten Zeit bewiesen, dass sie den Krieg bei weitem adäquater wahrnehmen und verstehen, als es Medien und Politiker tun, die mit falscher Hysterie reagieren.
http://www.unionsverlag.com/info/link.asp?title_id=2650&link_id=8955





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