04 Juli 2013

Lena Muchina - Lenas Tagebuch - Lesen macht klug und schoen 1021

Die russische Anne Frank:
Lena Muchina - Lenas Tagebuch

Lenas Tagebuch

Graf Verlag, München 2013
ISBN 9783862200368
18,00 EUR
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Ein einzigartiges Dokument, das erst jetzt entdeckt und veröffentlicht wird: 
Das berührende, dabei unsentimentale Tagebuch eines sechzehnjährigen Mädchens, das die Belagerung von Leningrad überlebte. Eine russische Anne Frank. 

"Ich weiß selbst nicht, wie ich diese Zeilen schreiben kann. Aber mein Herz ist irgendwie wie aus Stein geworden. Ich habe gar keine Angst. Ob Aka stirbt oder nicht, ist mir egal. Wenn sie schon stirbt, dann soll sie es nach dem 1. tun, dann bekommen wir ihre Lebensmittelkarte. Wie bin ich nur herzlos." 
Lena ist bald sechzehn und interessiert sich für das, was alle junge Mädchen beschäftigt: 

Wie kann sie das Herz von Wowka, dem Jungen aus ihrer Klasse, gewinnen? Wie schummelt man sich durch die Geometrie-Prüfung? 

Wann hat ihre Freundin Tamara Zeit, mit ihr ins Kino gehen? In politisch brisanter Zeit beginnt Lena ihr Tagebuch: rund einen Monat, bevor die Wehr-macht Leningrad einkesselt, um die Zivilbevölkerung mit beispielloser Grausamkeit auszuhungern. 

Doch Lena lebt von einem Tag auf den anderen, blendet die stän-dige Gefahr aus. Die Situation wird immer dramati-scher und bald gibt es nur noch den einzigen, alles beherrschenden Gedanken: etwas in den Magen zu bekommen, und sei es die Katze der Nachbarn… 
Mit klarer Sprache, intelligent und voll echter Emotion verschafft uns Lena Muchina einen einzigartigen Blick in eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts. 
Aus dem Russischen von Lena Gorelik und Gero Fedtke

Lena Muchina

Lena Muchina, geboren 1924, war knapp sechzehn Jahre alt, als sie ihr Tagebuch begann. Im Juni 1942, noch vor Beendigung der Blockade von Leningrad, wurde sie evakuiert; die Veröffentlichung ihres Tagebuchs erlebte sie jedoch nicht mehr, denn sie starb 1991 im Alter von 66 Jahren in Moskau. Über ihr Leben ist bisher wenig bekannt.

Lena Gorelik, geb. 1981 in Petersburg, liest aus ihrer einfühlsamen Übersetzung und berichtet, wie die Ereignisse der Leningrader Blockade auch in das Leben ihrer Familie hineinreichten.



Pressestimmen:

"Ein Sensationsfund, denn bisher ist kaum ein vollständiges Tagebuch aus der Blockade-Zeit Leningrads an die Öffentlichkeit gekommen." Vladimir Balzer, DeutschlandRadio, 19.04.2013

"Ein einzigartiges Dokument des Grauens." , Kurier am Sonntag, 14.04.2013

"Ein eindrucksvolles Zeugnis dieser menschlichen Katastrophe." Marc von Lüpke-Schwarz, Deutsche Welle, 30.04.2013

„Eine Chronik des Grauens, in ihrer unsentimentalen Art vergleichbar mit dem Werk von Anne Frank.“ Til Biermann, welt.de, 06.05.2013

"Eine wichtige und beklemmend nachhaltige, weil unverstellte Stimme aus diesen 872 Tagen." Anja Hirsch, FAZ, 01.06.2013

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2013
Als "Sensation" feiert Anja Hirsch dieses Tagebuch der Lena Muchina, das vor über fünfzig Jahren in ein russisches Archiv kam, 2011 in Russland erschien und nun auf Deutsch vorliegt. Sie sieht in den Aufzeichnungen der jungen Lena ein beeindruckendes und bewegendes Zeitdokument, in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem Tagebuch der Anne Frank. Wie dieses leuchtet "Lenas Tagebuch" für sie den Krieg "von innen her" aus: die Schilderungen des Mädchens rücken dem Leser die Belagerung Leningrads durch die Deutschen nahe, machen sie erfahrbar, "spürbar". Das Buch dokumentiert für Hirsch auch den Bruch, den der Krieg für viele Biografien bedeutete, einen Bruch, der sich auch im Tonfall des Berichts bemerkbar macht, der anfänglich fröhlich und auch mal pathetisch, dann nüchtern, sachlich, aber immer plastisch ist. Die Lektüre des Buchs findet Hirsch packend und zunehmend beklemmend, ja verstörend. Mit Lob bedenkt sie auch die Anmerkungen, Hintergrundinformationen und das Vorwart zu dieser Ausgabe.

Lenas Tagebuch wird mit dem Tagebuch der Anne Frank verglichen. Ist dieser Vergleich in Ihren Augen angemessen?
Es gibt da einige Parallelen. Beide Mädchen sind fast gleichzeitig Opfer eines Völkermords. Als solcher wurde die Blockade von Leningrad von der UN-Konvention bezeichnet – genauso wie die Vernichtung der Juden. Lena beginnt im Juni 1941 zu schreiben und endet im Mai 42, Anne Frank beginnt ihr Tagebuch einen Monat später im Juni 1942, endet 1944. Beide denken an Veröffentlichung!!! Aber Anne Frank ist doch, obwohl zwei Jahre jünger, weitaus reifer, reflektierter, intellektueller. Die interessantere und interessiertere Schreiberin, ihr Blick geht weiter hinaus in die Welt, in die Politik, Philosophie als Lenas Blick. 



Jeden Tag Krieg


Lena Muchina: "Lenas Tagebuch. Leningrad 1941-1942", Graf Verlag, München 2013
Unvorstellbar war das Leid der Menschen im durch die Wehrmacht eingekesselten Leningrad. Den Alltag in der zerstörten und ausgehungerten Stadt schildert das Tagebuch der 16-jährigen Lena. Ihre Aufzeichnungen wurden erst kürzlich gefunden und liegen nun auf Deutsch vor.
Sie hat überlebt, aber ist eine andere geworden - auch das zeigt dieses anrührende Tagebuch, diese Chronik eines Kriegsjahres in der Hungerhölle; Einträge, die ihr geholfen haben müssen, diese Zeit durchzustehen.
Es war die Sprache, es war das Vertrauen in ein Tagebuch, die Lena Muchina Kraft gegeben haben. Manchmal auch ungelenke Gedichte und jugendlicher Pathos. In jedem Fall aber ist Lenas Tagebuch die Geschichte einer Rettung. Und das ist nach einer Lektüre bei der man als Leser mit unendlich viel Leid konfrontiert wird, ein Gedanke, der vielleicht etwas zu trösten vermag. 
Besprochen von Vladimir Balzer

19.03.13 Zweiter Weltkrieg - Lena Muchinas Leningrader Tagebuch
"Ich hätte nie gedacht, dass Katzenfleisch so schmackhaft wäre", schreibt die 16-jährige Lena im Winter 1941, als die Wehrmacht Leningrad belagert. Ihr Ziel ist es, die Stadt auszulöschen.

Zitat: 
"22. Juni 1941: Im Radio wird eine Sinfonie gespielt, draußen donnern Salven. Das sind die verfluchten Deutschen mit ihrem routinemäßigen Beschuss Leningrads. Und nachts wird wieder die Unheil verkündende Sirene heulen, und das Haus wird wieder von den nahen Bombeneinschlägen erzittern. Der Tod lauert die ganze Zeit auf jeden von uns, und wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir es nicht mehr bemerken oder, besser gesagt, es einfach nicht mehr bemerken wollen."
aus: Lena Muchina, Lenas Tagebuch, aus dem Russischen von Lena Gorelik und Gero Fedtke, Graf Verlag 2013 http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/diwan/lena-muchina-lena-gorelik-lenas-tagebuch-100.html

Was kann Lenas Tagebuch heute bewirken?
Ich glaube, dass es zunächst einmal den Bildungshorizont erweitern kann. Die Blockade ist ja in Deutschland nicht sonderlich bekannt. Das Besondere und Wirkungsvolle daran ist aber, dass es eben kein typisches Geschichtsbuch ist. Da steht nicht drüber: Jetzt musst du etwas lernen! Und genau deswegen berührt es mehr. Selbst wenn man sich nicht für Leningrad, Russland oder den Zweiten Weltkrieg interessiert, gibt es diese beeindruckende Geschichte von einem Mädchen, das einen Krieg erlebt. Alle sollten es lesen, die nicht wissen, was es hieß, die Blockade zu überleben. Die jeden Tag Brot essen, so viel sie wollen, und die ihre Bonbons nicht auf mehrere Tage aufteilen müssen, so wie Lena Muchina und wahrscheinlich auch meine Großmutter. Das Gespräch führte Günter Keil.

„Lenas Tagebuch“ ist ein Zeitzeugenbericht aus erster Hand, ein Tagebuch, das Lena Muchina während der Leningrader Belagerung geführt hat. Man erfährt, womit die Menschen zu kämpfen hatten, welche Auswirkungen die Blockade hatte, wie sie es schaffte, zu überleben und wie der Alltag überhaupt aussah. Zudem bleibt sie aber auch trotzdem noch eine schwärmende und träumende Jugendliche, was nur noch mehr dazu beiträgt, dass ihre Geschichte einen berührt. Die Bewertung ist, denke ich, klar. Wie soll man eine reale Begebenheit denn auch anders bewerten? Ich vergebe 5 von 5 Punkten für dieses bewegende Tagebuch.

Zitat zum daily book heute:
'Ich weiß selbst nicht, wie ich diese Zeilen schreiben kann. Aber mein Herz ist irgendwie wie aus Stein geworden. Ich habe gar keine Angst. Ob Aka stirbt oder nicht, ist mir egal. Wenn sie schon stirbt, dann soll sie es nach dem 1. tun, dann bekommen wir ihre Lebensmittelkarte. Wie bin ich nur herzlos.' 



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