Simone de Beauvoir - New York mon amour
Hg. Susanne Nadolny
Reisetagebuch

Edition Ebersbach
ISBN 978-3-86915-032-1
EUR 19,80 (D)
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Im Januar 1947 reist Simone de Beauvoir zum ersten Mal nach Amerika. Begeistert hat die prominente Vertreterin des Existentialismus die Einladung zu einer viermonatigen Vortragsreise angenommen.
Die amerikanische Kultur ist für sie, wie für viele Pariser ihrer Epoche, ein Mythos. Sie brennt darauf, das Land endlich mit eigenen Augen zu entdecken. Insbesondere New York hat es ihr angetan. Auf mehrstündigen »Gewaltmärschen « erkundet sie die Stadt teils allein, teils mit amerikanischen Freunden. Sie streift durch Manhattan und Brooklyn, besucht China Town und – trotz aller Warnungen – Harlem. Sie staunt über den Lärm und das Chaos und freut sich an den ungewöhnlichen Geräuschen und Gerüchen. Ihrem scharfsichtigen Blick entgeht nichts. Ihre ambivalenten Eindrücke verarbeitet Simone de Beauvoir in ihrem Reisetagebuch. Die unverwechselbare Beauvoir’sche Mischung aus kritischem Bericht, nachdenklichem Monolog und analytischer Untersuchung kann als ein Zeugnis ihrer Befindlichkeit gelesen werden und ist zugleich ein wichtiges Zeitdokument.
Leseprobe:
Meine Nachbarin
murmelt: «Der Motor klingt so eigenartig.» Wir drehen über einem Flügel ab,
schnell denke ich: «Ich will nicht sterben. Nicht jetzt. Ich will nicht, daß diese
Lichter verlöschen.» Der Schornstein ist verschwunden, die roten Leuchtbaken kommen näher, und ich fühle den Stoß der Räder, die die Rollbahn berühren.
Wir warteten einfach, bis die Reihe an uns war: in jeder Minute landet ein Flugzeug auf dem Flugplatz La Guardia.
Die Elemente sind besiegt, die Entfernungen abgeschafft – aber New York ist verschwunden. Um die Stadt zu erreichen, muß man durch den schmalen Tunnel des irdischen Lebens hindurch. Papiere wandern von einer Hand in die andere,ein Arzt untersucht zerstreut unsere Zähne, als wären wir Pferde, die verkauft werden sollen. Man führt uns in einen überheizten Raum, wir warten. weiterlesen im link
Simone de Beauvoir (* 9. Januar 1908 in Paris; † 14. April 1986 ebenda; vollständiger Name Simone Lucie-Ernestine-Marie Bertrand de Beauvoir) war eine französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. Die politisch engagierte Verfasserin zahlreicher Romane, Erzählungen, Essays und Memoiren gilt als Vertreterin des Existentialismus. Mit ihren beiden existentialistischen Romanen L'Invitée (1943; dt.: Sie kam und blieb) und Le Sang des autres (1945), 1984 von Claude Chabrol als Das Blut der Anderen verfilmt, erlangte Simone de Beauvoir Anerkennung als Schriftstellerin. Der Welterfolg Das andere Geschlecht (1949) gilt als ein Meilenstein der feministischen Literatur und machte sie zur bekanntesten Intellektuellen Frankreichs.