Bei Stefanie Sourlier löst Gegenwart Erinnerung aus, und Erinnerung
schafft Gegenwart.
Stefanie Sourlier - Das weiße Meer
Erzählungen
Zwei Geschwister haben sich eine zauberhafte eigene Welt geschaffen.
Tage- und nächtelang spielen sie am Mondsee, aus dem sie geboren zu sein
glauben, sprechen „Rosam“, ihre eigene Sprache. Als die Geburt eines
Geschwisterchens ihre Zweisamkeit zu zerstören droht, fassen sie einen
ungeheuren Plan. Drei Jugendliche verbringen einen heißen Sommer in
einem südfranzösischen Fischerdorf. Doch nichts ist mehr, wie es noch
vor wenigen Jahren war: Frühere Lieben sind verschwunden, die
Kinderspiele langweilig geworden. Als die Hitze immer unerträglicher
wird, bricht die scheinbare Idylle zusammen. Eine junge Frau wandert
nach Manchester aus, seltsam getrieben von einer Frau, die sie nicht
vergessen kann. Die Sehnsucht nach ihr führt sie – fast – bis an das
Weiße Meer. Gemeinsam mit dem Bruder ihres „lustigen Freundes“ versucht
eine Frau die Wahrheit über dessen Suizid zu ergründen. Doch die
Erinnerungen verschwimmen, der Freund wird zum unscharfen Schattenbild,
während der Bruder ihr plötzlich befremdlich nah ist. Stefanie Sourliers
Erzählungen sind von einer einzigartigen flirrenden Schönheit. Ihre
Abgründe geben sie nur allmählich preis. Geheimnisvoll und doch klar,
fragil und feingewoben, erzeugen sie eine Sogkraft, die den Leser bis
zur letzten Seite nicht mehr loslässt. In zarten, enigmatischen Bildern
erzählt Stefanie Sourlier vom Leben ihrer Figuren, ein Leben, das unter
Wasser zu spielen scheint, still, geheimnisvoll und voller verborgener
Beziehungen, die aus der Tiefe das Handeln der Menschen bestimmen.