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27 Dezember 2013

In Memoriam Helga M. Novak - eine Nomadin der Poesie

Die Schriftstellerin Helga M. Novak ist am 24. Dezember im Alter von 78 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in der Nähe von Berlin gestorben.

Helga M. Novak - Im Schwanenhals


Helga M. Novak: Im Schwanenhals


Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt/Main
352 Seiten. Leinen. Lesebändchen
ISBN: 978-3-89561-119-3
€ 21,95  
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)

»An meinem sechzehnten Geburtstag zog ich dann ins Internat«, heißt es am Schluss von Helga M. Novaks Buch DIE EISHEILIGEN (1979). Zurück bleiben die Adoptiveltern Kaltesophie und Karl. Das junge Mädchen sucht und findet im zweiten Band ihrer autobiographischen Prosa VOGEL FEDERLOS (1982) in der neuen sozialistischen Gesellschaft der DDR ihre Ersatzfamilie. Doch auch diese Familie hält nicht, was sie verspricht.
Enthusiastisch beginnt Helga M. Novak 1954 ein Journalismus-Studium, fühlt sich jedoch schon bald wie ein Tier im SCHWANENHALS, der tödlichen Jagdfalle, aus der man sich nicht befreien kann. 
Als die Stasi sie verpflichtet, ihre Kommilitonen zu bespitzeln, tritt sie aus der Partei aus und wird exmatrikuliert. 
Ende 1957 flieht sie mit ihrem isländischen Freund nach Island, schreibt, arbeitet in Fischfabriken und kehrt erst 1965 nach Leipzig zurück. Am Johannes R. Becher-Institut versucht sie einen Neuanfang, doch eine wie sie ist unerwünscht. 
Lange vor Wolf Biermann wird Helga M. Novak aus der DDR ausgewiesen. Staatenlos führt sie ein unstetes Leben, das sie quer durch Europa führt.
Ihre Bücher wurden in der DDR nicht veröffentlicht; ihre Gedichte findet man dort nur als Abschrift in den Akten der Staatssicherheit.
Cover: Im Schwanenhals
Helga M. Novak wurde 1935 in Berlin-Köpenick geboren. Für ihr Werk, das bei Schöffling & Co. erscheint, erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.
Helga M. Novak studierte Philosophie und Literatur in Leipzig. 1966 wurde ihr aufgrund ihrer Unangepasstheit dem Staat gegenüber die Staatsbürgerschaft der DDR aberkannt. Nach Aufenthalten in Island, Jugoslawien und Portugal lebte die Lyrikerin in Polen und Berlin.

Preise, Auszeichnungen und Stipendien:
1968 Bremer Literaturpreis
1979 Preis »Der erste Roman«
1979 Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim
1984 Wohnstipendium im Atelierhaus Worpswede
1985 Kranichsteiner Literaturpreis des Deutschen Literaturfonds
1989 Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim
1994 Gerrit-Engelke-Preis der Stadt Hannover
1997 Brandenburgischer Literaturpreis
1998 Ehrengabe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2001 Ida-Dehmel-Literaturpreis
2009 Seume-Literaturpreis der Stadt Grimma
2010 Christian-Wagner-Preis
2012 Drostepreis der Stadt Meersburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Helga_M._Novak

18 Mai 2013

Christine Lavant - Das Wechselbälgchen - Lesen macht klug und schoen 985

Wechselbälgchen eignet sich hervorragend als Parabel mit einem "sonderbaren Sog":
Christine Lavant - Das Wechselbälgchen
Erzählung
Cover Das Wechselbälgchen
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835311473
16,90 EUR
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)


Christine Lavant, die große österreichische Lyrikerin, ist als Prosaautorin neu zu entdecken. Ihre ganz unvergleichliche Erzählung »Das Wechselbälgchen« - jetzt wieder lieferbar.

Zitha ist vom Schicksal geschlagen. Sie ist das uneheliche Kind einer Bauernmagd, geistig zurückgeblieben und körperlich entstellt. Die Leute im Dorf, die so katholisch wie abergläubisch befangen sind, haben für das traurige Schicksal des Mädchens eine einfache Erklärung: Böse Geister haben der unglücklichen Magd nach der Geburt das Kind geraubt und ihr stattdessen ein verhextes Mädchen untergeschoben. Einen Wechselbalg, wie er aus Sagen und Gespenstergeschichten der Alpengegenden bekannt ist. Er werde das ganze Dorf ins Unglück stürzen, heißt es. So nimmt der kollektive Wahn seinen Lauf, gegen den auch die Liebe der Mutter nichts auszurichten vermag. Schließlich wird dem Mädchen sogar nach dem Leben getrachtet.
Christine Lavant beschreibt die Ausgrenzung einer Schwachen aus der dörflichen Gemeinschaft mit großer Eindringlichkeit. Die erst 1998 posthum veröffentlichte Erzählung steht auch für die Gefährdung unserer Zivilisation, die sich nicht zuletzt zu Lebzeiten 

Christine Lavants in der »Vernichtung unwerten Lebens« durch die Nationalsozialisten gezeigt hat. Nachdem »Das Wechselbälgchen« längere Zeit vergriffen war, erscheint die Erzählung nun erstmals im Wallstein Verlag, herausgegeben von Klaus Amann, der eine kommentierte Werkausgabe von Christine Lavant vorbereitet.



Christine Lavant, geboren 1915 in ärmlichsten Verhältnissen in St. Stefan im Kärntner Lavanttal, litt seit früher Kindheit an schwersten Erkrankungen, die sie lebenslang beeinträchtigten. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit Stricken. Sie begann schon in den 1930er Jahren mit dem Schreiben, ihre ersten Veröffentlichungen erschienen ab Ende der 1940er Jahre. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt sie 1954 und 1964 den Georg-Trakl-Preis für Lyrik und 1970 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur. Christine Lavant starb 1973. 
Ein beträchtlicher Teil ihres literarischen Nachlasses ist noch unveröffentlicht.

12 Oktober 2012

Jan Kemp - Dantes Himmel - Lesen macht klug und schoen 797

Dante Alighieri stellt diese in der »Göttlichen Komödie« als den Punkt des Übergangs von der Hölle in das irdische Paradies vor. Jan Kemp lässt sich in ihren Gedichten hiervon inspirieren:

Jan Kemp - Dantes Himmel
Gedichte aus Neuseeland (zweisprachig)




VAT Verlag
Aus dem Englischen von Dieter Riemenschneider
Zweisprachig, mit einer Audio-CD
Gedichte
140 Seiten, gebunden,
ISBN 978-3-940884-90-9
18.90 EUR
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)



Australien und Neuseeland bilden die Antipoden. Dante Alighieri stellt diese in der »Göttlichen Komödie« als den Punkt des Übergangs von der Hölle in das irdische Paradies vor. Jan Kemp lässt sich in ihren Gedichten hiervon inspirieren, geht aber einen Schritt weiter: Sie verortet den Zwischen-Raum konkret nordöstlich der Küste Neuseelands.

Dante berichtet davon, wie er und sein Gefährte Vergil aus dem Tunnel auftauchen, der von der Hölle in die »Hemisphäre des Wassers« auf der gegenüberliegenden Seite der Erde führt. Senkrecht von Jerusalem ausgehend endet dieser Tunnel auf der gegenüberliegenden Seite der Globus bei dem aus den Wassern aufragenden »Läuterungsberg«. 

Jan Kemp imaginiert diese Stelle nordöstlich der Küste Neuseelands, im pazifischen Ozean. Dort gibt es in Waiake Beach bei Torbay eine Felsauftürmung, genannt der »Tor«, die der Autorin wie eine Miniaturausgabe des »Läuterungsbergs« aus Dantes »Comedia« erscheint.

Die zweisprachig vorgestellten Gedichten wurden kongenial übersetzt von Prof. Dr. Dieter Riemenschneider.

Dem Buch liegt eine Audio-CD bei. Die Autorin hat 12 Gedichte zum Anhören ausgewählt. Die Originale werden von Jan Kemp selbst eingeleitet und gesprochen, die deutschen Übersetzungen spricht Katharina Voss

01 Oktober 2012

Silke Scheuermann - Die Häuser der anderen - Lesen macht klug und schoen 786

Unsentimental und einfühlsam schildert sie, was geschieht, wenn Menschen ihr Leben nach anderen ausrichten und ihre vermeintliche Überlegenheit ins Wanken gerät oder wenn sie vom Glück überrascht werden:
Silke Scheuermann - Die Häuser der anderen
Roman

Silke Scheuermann: Die Häuser der anderen

Schöffling und Co.
ISBN 9783895613746
19,95 EUR
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)


Christopher und Luisa haben geheiratet und sich im Leben eingerichtet: Er ist angehender Professor für Biologie, sie erfolgreiche Kunsthistorikerin. Die Altbauwohnung ihrer Studentenzeit haben sie gegen ein Haus am Stadtrand getauscht, als sichtbares Zeichen ihrer Ambitionen. Hier in der Straße am Kuhlmühlgraben muss sich ihre Ehe bewähren, hier messen sie ihre Träume am Erreichten. Doch nicht alles lässt sich mit Willenskraft und Selbstinszenierung herbeiführen, das müssen die beiden ebenso erfahren wie die anderen Bewohner des Viertels. 

In kunstvollen Szenen, mit Abstechern nach Venedig und New York, erzählt Silke Scheuermann in DIE HÄUSER DER ANDEREN von zerbrechlichen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen. 
Unsentimental und einfühlsam schildert sie, was geschieht, wenn Menschen ihr Leben nach anderen ausrichten und ihre vermeintliche Überlegenheit ins Wanken gerät oder wenn sie vom Glück überrascht werden.

10 September 2012

Ursula Krechel - Landgericht - Lesen macht klug und schoen 767

Deutscher Buchpreis 2012: wir gratulieren!
Mit ihrem neuen großen Roman »Landgericht« geht sie noch einmal auf Spurensuche: 
Ursula Krechel - Landgericht 
Roman



Jung und Jung Verlag
ISBN 978-3-99027-024-0
Erstverkaufstag: 21. 8. 2012
 € 29,90
hier bestellen  (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)


Nach »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel noch einmal den Spuren deutscher Geschichte nach. Ihr neuer Roman handelt vom Exil und von den fünfziger Jahren, von einer Rückkehr ohne Ankunft.
Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? 
Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman »Landgericht« noch einmal auf Spurensuche. 
Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. 
Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. 
Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. 

Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. 
Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt »Landgericht« den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. »Landge-richt«, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

19 April 2012

Lesen macht klug und schoen 637 - Friederike Mayröcker - ich sitze nur GRAUSAM da - Von den Umarmungen

2 Neuerscheinungen  - Ein in jeder Hinsicht intimes Journal:

Friederike Mayröcker - ich sitze nur GRAUSAM da 

Prosaschrift 


Erschienen: 13.02.2012
Suhrkamp Verlag,
ISBN-10 3518422839
17,95 EUR
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)

Friederike Mayröcker - Von den Umarmungen

Gedichte



Insel Bücherei 1352,
Gebunden, 47 Seiten
ISBN: 978-3-458-19352-4
10,95 € 
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei)

ich sitze nur GRAUSAM da 
die neue Prosaschrift Friederike Mayröckers, so streng gefügt in Form und Sprache wie üppig wuchernd in Tag- und Nachtträumen, ist ein weiterer Band im radikalen Alterswerk der großen Wiener Dichterin.
Es ist Sommer in diesem Buch, auch wenn sich die Natur oftmals nicht daran hält, die Blumen erst winzige Knospen tragen oder längst schon wieder verblüht sind. Es ist Sommer in diesem Buch, weil das Sommerlicht angeknipst ist: mal gleißend hell, mal gewitterwolkig verdüstert, ein magisches Licht zugleich, das Uhr und Kompaß außer Kraft, zeitlich und räumlich Getrenntes dafür mühelos in eins setzt – etwa wenn die Rußlandreisende in die rollenden Wellen der Newa und das dampfende Bassin des städtischen Freibads zugleich blickt. Die Poetik dieser Gleichzeitigkeit alles Ungleichzeitigen formuliert die Schreiberin selbst: »es sind nicht die Szenen die ich erinnere, es sind vielmehr die diese Szenen begleitenden Sensationen, sage ich zu Ely.«


von den Umarmungen -
Die Herzen zerschlissen, die Eisblumen verblüht, die armen Seelen vergraben im Schnee. Doch niemand muß ungetröstet bleiben. Wer sich den Umarmungen Friederike Mayröckers überläßt, erfährt von der Zärtlichkeit, die noch in den unscheinbarsten Dingen steckt: in der Wäscheklammer nicht weniger als im Huflattichblatt, im Sträußchen Tau genauso wie in den Sternen, die geheimnisvoll auf der linken Wange der Herzensfreundin funkeln. Dreißig Liebeserklärungen der großen Wiener Dichterin ans Leben; dreißig Liebeserklärungen an die letzte, die höchste Instanz – die Poesie.

20 März 2012

Lesen macht klug und schoen 607 - H.D. - MeeresGarten

Hilda Doolittles Debüt "MeeresGarten" ist ein Markstein moderner Dichtung. Nun ist es erstmals auf Deutsch zu lesen

H.D. - MeeresGarten

Gedichte. Zweisprachig. 

 
luxbooks,
ISBN 978-3-939557-27-2
19,80 EUR



Der Debütband Hilda Doolittles gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Moderne und ist zugleich einer der schönsten Gedichtzyklen über das Meer und vor allem über die Blumen in der Nähe der Ozeane überhaupt. Es sind die für den Imagismus so wichtigen Einflüsse aus Dichtung und Kunst des alten Japans mit seinem traditionellen Understatement, die den Gedichten Doolittles ihre puristische Schönheit verleihen. In der stillen Betrachtung der windgeschüttelten und salzverkrusteten Blumen vollzieht H.D. die lyrischen Transformationen, die ihre Dichtung zu einer so wichtigen Bezugsquelle für die moderne englischsprachige Dichtung machen.
Die Traditionen, Metaphern und Symbole der viktorianischen Dichtung werden aufgebrochen, die Verwendung einer klaren, fast nackt wirkenden Sprache und die neuen, durch nichteuropäische Einflüsse entstandenen Symboliken machten die Gedichte zu einem prägenden Leseerlebnis für ihre Generation. Mit der deutschen Erstveröffentlichung des Debütbands Hilda Doolittles wird im Verlag luxbooks eine weitere Lücke in der Rezeption amerikanischer Dichtung des zwanzigsten Jahrhunderts geschlossen. Der Band ist mit einem Nachwort von Dietmar Dath versehen und illustriert von Martina Hoffmann.
Übersetzt von Annette Kühn. Mit einem Nachwort von Dietmar Dath. Illustriert von Martina Hoffmann