Margareta Fuchs/Veronika Krapf - Von wilden und weisen Frauen
150 geheimnisvolle Frauen-Sagen aus Tirol
Loewenzahn verlag
ISBN 978-3-7066-2443-5
€ 19.95
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Seit jeher ziehen uns jahrhundertealte Märchen und Sagen in ihren geheimnisvollen Bann. Ganz besonders spürbar wird ihre mysteriöse Anziehungskraft in den vielgestaltigen Frauenfiguren. Wer aber kennt heute noch die Stampe, die Trute oder die Fangga? Wie wurde die einstmals Weise Frau zur gefährlichen Hexe, die es zu bekämpfen galt?
Die Sagen in diesem Buch rücken die weibliche Seite der Märchen und Mythen in den Vordergrund. Sie erzählen von vergessenen Königinnen und Seherinnen, von wilden, unzähmbaren und frommen, heiligen Frauen, von Schamaninnen und Dienstmägden, von Sinnlichkeit und Zerstörung.
Margareta Fuchs und Veronika Krapf sind seit Jahren leidenschaftliche Märchen- und Sagenerzählerinnen. Mit ihrer einzigartigen und umfassenden Auswahl bewahren sie diese besonderen Frauengeschichten vor dem Vergessen.
Von Nordtirol über Ost- und Südtirol bis ins ampezzanische Dolomitengebiet und ins Trentino haben sie die schönsten Sagen zusammengetragen und geben dazu viele spannende Hintergrundinformationen – eine begeisternde Lektüre für Jung und Alt, für Laien und Kenner, für alle, die sich gerne von uralten Sehnsüchten und Träumen mitreißen lassen.
Des Nachts, vor allem zur Winterzeit, war es besser, im Haus zu bleiben. Die Nachtwelt gehörte anderen Wesen, seltsamen und unberechenbaren, guten und weniger guten, bedrohlichen und gefährlichen. Und manchmal, und das war das Schlimmste, was geschehen konnte, tauchte die Grostàna auf. Aus
der Ferne sah sie aus wie eine riesige sich bewegende Fichte, aber im nächsten Augenblick war sie auch schon da, und wen sie im Freien antraf, der wurde von ihr ausgelöscht, aufgesaugt in die riesige, tintige Masse ihres Körpers …
Was dieses Buch von herkömmlichen Sagenbüchern unterscheidet ist das Bemühen der Herausgeberinnen um eine tief greifende Auseinandersetzung mit dem übermittelten Inhalt jeder einzelnen Sage. Das Vorwort und die Einleitungen zu jedem der im Buch enthaltenen 10 Kapitel geben eine Fülle von Hintergrundinformationen, die die gesammelten Sagen aus dem Wissen der Sprachkunde, der Bräuche sowie feministisch-matriarchaler Forschung wieder nahe ihrer ursprünglichen Bedeutung zugänglich werden lassen. Patriarchatsbedingte Verzerrungen in der Übermittlung der Sagen werden aufgezeigt und weitgehend durch matriarchales Wissen wieder zu ihren urprünglichen Aussagen zurückgeführt.
Zum Verständnis der in den ersten beiden Kapiteln des Buches zusammengestellten Sagen über “Fangga und Riesin” sowie “Perchta / Stampe” wäre es allerdings wichtig, die einzelnen Sagen in Bezug auf die einschneidenden patriarchalen Verzerrungen im Bezug auf die vorgebliche Hässlichkeit, Dummheit und Grausamkeit der Riesinnen, unserer Vormütter, klar als vorsätzliche Missinformation im Zuge der Entstehung des Patriarchats zu benennen und zu reflektieren.
Die Herausgeberinnen haben jede einzelne Sage mit von ihnen gesammeltem Wissen zu den traditionellen Hintergründen und Gebräuchen versehen, wodurch die Sagen insgesamt besser verständlich werden. Unter diesem “Wissenswerten” finden sich auch zahlreiche sprachkundliche Beiträge, die den Zusammenhang von “nomen est omen” beleuchten. Die Herausgeberinnen bieten im “Wissenswerten” auch ein umfängliches Frauenwissen in Bezug auf Ge-Schichte, Tradition (Bräuche) und Kultur (Hege) an, die den Lesenden den Zugang zu den innewohnenden Botschaften der übermittelten Sagen anbieten.