Posts mit dem Label Goettin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Goettin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

16 Mai 2012

Lesen macht klug und schoen 664 - Heide Göttner-Abendroth - Matriarchale Landschaftsmythologie

mit  Lillemors Literaturliste zum Thema Matriarchat

Heide Göttner-Abendroth -  Matriarchale Landschaftsmythologie
Von Rügen bis zum Berchtesgadener Land




Kohlhammer W. Verlag
Taschenbuch
ISBN: 3170223364
ca. 40 Abbildungen Titel in Neuauflage erwartet.
Voraussichtlich lieferbar Juni 2012
24,00 €
vorauss. Juni 2012
hier bestellen (Ab 25€ ist der Versand kostenfrei) 




In diesem Buch stellt Heide Göttner-Abendroth landschaftsmythologische Forschungen am Beispiel deutscher Landschaften vor. 
Dabei werden materielle Relikte der jungsteinzeitlichen/bronzezeitlichen Kulturschicht analysiert und zu der sie umgebenden Landschaft in Beziehung gesetzt. Erforderlich ist dafür die umfassende Methode einer "geistigen Archäologie", die die Autorin unter jahrelangen intensiven Studien im In- und Ausland entwickelt hat. 


Es werden nicht nur Aussagen aus Archäologie und Geographie, sondern ebenso aus Mythologie, Volkskunde (Folklore und Brauchtum) und Sprachforschung interdisziplinär in einen Zusammenhang gestellt. In diesem Sinne ist die matriarchale Landschaftsmythologie ein Teilbereich der Spurensicherung in Sachen frühhistorischer matriarchaler Kulturen.


Heilige Höhlen, Venusgrotte, Hörselberg in Thüringen

Heide Göttner-Abendroth:
„In matriarchalen Gesellschaften ist die Erde eine Urgöttin, Mutter Erde, die Schöpferin alles Lebendigen. Überall sahen matriarchale Menschen die Züge ihrer Weiblichkeit, in Hügeln, Tälern, Schluchten, Steinen und Gewässern.

Da die Erde jedoch eine große, nicht zu überschauende Göttin ist, nahmen matriarchale Menschen solche landschaftlichen Erscheinungen als Teil für das Ganze und sahen Mutter Erde darin verkörpert. Darauf konnten sie sich bewegen, auch daneben oder darin wohnen und die Erde lokal verehren.


Busenberge, the Paps of Jura, Schottland

Bevorzugt wurden dabei landschaftliche Eigenheiten der Erde mit ausgeprägt weiblichen Zügen, das heißt mit Formen, die symbolisch als weiblich gelesen werden konnten, zum Beispiel ein Tal in Form eines weiblichen Schoßes, zwei gleichförmige Hügel wie zwei Brüste, ein Bergrücken in Gestalt einer liegenden Frau, runde Findlingssteine oder schoßartige Quellsteine, eine halbkreisförmige Schlucht, aus der Quellen entspringen wie das Fruchtwasser aus dem weiblichen Schoß, der V-förmige Zusammenfluss zweier Bäche oder Flüsse, und vieles andere mehr.

Hier zeigte sich die Erde für matriarchale Menschen sinnfällig als Große Frau und Mutter, solche Plätze und Landschaften galten als heilig. Sie wurden zu Kultorten oder sakralen Wohnorten, so dass die Menschen buchstäblich „im Schoß von Mutter Erde“ oder „am Busen der Natur“ ruhen konnten und sich geborgen fühlten.

 Kultstein, Bayerischer Wald

Wenn eine Landschaft mit Berg, Hügeln, Tälern und Schluchten auf diese Weise die Weiblichkeit der Mutter Erde manifestierte, wurde sie zur konkreten Landschaftsgöttin mit konkretem Namen.
Trotz der Vielfalt ihrer landschaftlichen Erscheinungen wusste man jedoch, dass es sich um eine Göttin handelt, um „die Eine mit den tausend Gesichtern“.

 Näpfchenstein und heiliger Berg Similaun im Ötztal
Lokale Mythen betonen dies und benennen die jeweiligen Landschaftsgöttinnen und ihr Tun. Dennoch ist matriarchale Landschaftsmythologie weltweit, es gibt sie überall, wo alte matriarchale Kulturen gesiedelt haben, in Europa wie in China, in Amerika wie in Afrika.

Lokal wird sie durch die ganz konkrete Landschaft, deren Erscheinungen symbolisch gelesen werden und auf die sich lokale Mythen beziehen. Daher wird matriarchale Landschaftsmythologie von Forscher/innen zuerst da betrieben, wo sie selber wohnen.“